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Touritour durch Tallinn (Tag 69)

Guten Morgen! Als der Wecker klingelt können wir kaum noch das Frühstücksbuffet abwarten. Also raus aus dem Bett und auf zum Frühstückbuffet. „Irgendwie hätte ich ja Lust einen Tag hier zu bleiben.“, meint Michi mit einem Biss in sein Brötchen. Kyra bekräftigt die Aussage. Nach viel Obst und Brot bei Kyra bzw. Brötchen bei Michi entdecken wir das Waffeleisen. Michi macht für uns beide jeweils eine Waffel mit Eis. Was für ein Start in den Tag! Als wir wieder auf dem Hotelzimmer sind rechnen wir die bisherigen Kilometer aus. „Okay, wir haben 5.818 km. Bis nach Vilnius sind es noch ca. 640 km und wir müssen nächste Woche Donnerstag dort sein. Das sind ohne heute 7 Fahrtage… Das ist zu schaffen! Wenn wir circa 100 km am Tag fahren können wir uns sogar noch Riga in Ruhe anschauen. Perfekt!“, überlegt Kyra laut und somit ist die Entscheidung schnell getroffen: Wir machen einen Pausetag in Tallinn! Wir checken noch schnell auf einigen Internetseiten, ob das Hotel noch Kapazitäten hat und werden fündig, sogar für einen kleinen Preis. Der Mann an der Rezeption ist äußerst freundlich. Um den gefundenen Rabatt zu erhalten, müssen wir eine online Buchung aufgeben. Dadurch können wir leider nicht, wie zunächst zugesagt, in unserem Zimmer bleiben, doch er gibt uns sogleich die Karten für unseren neuen Raum, sodass wir direkt umziehen können. Ein anderes Hotel in einer Hauptstadt mit vier Buchstaben hätte uns bis zur angegebenen Zeit zum Einchecken warten lassen. Um 10:30 Uhr sind wir mit unserem Umzug fertig und stehen startklar vor dem Hotel. Los geht es in Richtung Altstadt. Diese ist gerade einmal 200 m von unserem Hotel entfernt. Wir überqueren eine Straße und folgen der alten Stadtmauer bis zum großen Küstentor.

Hier geht es am estnischen Meeresmuseum vorbei in Richtung Trubel. Als erstes entdecken wir ein Marzipangeschäft mit Museum. Wir beide lieben Marzipan, also ist ein Besuch Pflicht. Wir entscheiden uns für zwei kleine Marzipanfiguren (Schaf und Robbe, viele Grüße nach Ostfriesland) sowie zwei Laibe Marzipan. Der eine Leib ist aus 60 % Mandeln mit 40 % Zucker und der andere ein Laib gewürzt mit Zimt und Kardamom. Anschließend laufen wir an wunderschönen alten Gebäuden vorbei, bis wir vor der russischen Botschaft stehen.

Die Botschaft ist vorne mit einem Zaun umgeben, an dem zahlreiche Plakate hängen. Wir lesen uns diese still durch und werden jeder für sich nachdenklich. Kurz sind wir beide ganz bei uns mit unseren Gedanken, bis wir uns austauschen und weitergehen. Wir laufen an dem ältesten Café Tallinns, Maiasmokk, vorbei und gelangen zum Rathausplatz. Hier stehen das alte Rathaus und eine der ältesten durchgängig betriebenen Apotheken der Welt. Wahnsinn!

Eine Straße weiter fällt Michi die „Olde Hansa“ in die Augen. Er findet das Gebäude toll, doch dann entdecken wir, dass in dem Gebäude ein Shop sowie Restaurant ist. Kyra winkt Michi aufgeregt zu sich: „Guck mal! Wie cool ist das denn!“

Die komplette Innenausstattung ist ebenfalls alt oder zumindest auf alt gemacht und spielt auf die Zeit der Hanse an. Da es bereits Mittagszeit ist, entscheiden wir uns eine Pause zu machen und etwas zu essen. Unser Kellner empfängt uns im alten Gewand und ist sehr zuvorkommend. Unsere Getränke werden in Gläsern nach alter Glasbläserkunst serviert und das Wasser in einem großen Tonkrug. Sofort fassen wir beide den Tonkrug an, um unsere Hände zu kühlen. Es ist unglaublich warm! Die 30°C im Schatten fühlen sich nach ein paar Tagen Sonne und zich kühlen Tagen mit viel Regen wesentlich wärmer an. Zum Glück weht ein kleines Lüftchen und wir haben unsere kühlen Getränke. Kyra wird Pilzrahmsuppe mit Brot und Kräuterquark serviert und Michi Würstchen mit Sauerkraut, Steckrübe, Meerrettich und Apfelkraut. Hmmm, lecker!

Wir genießen unser Essen und Trinken und lassen die Seele baumeln. Fast fühlen wir uns, als wären wir im Mittelalter. Sogar die Toilette im Restaurant ist so verkleidet, dass man denkt, man sitzt auf einem Donnerbalken. Nach einem kurzen Besuch im Shop nebenan, erkunden wir weiter die Altstadt. Wir besuchen den Meistrite Hoov sowie den Katariina Käik und laufen ein kleines Stück auf der Stadtmauer.

Anschließend gehen wir am Kiek in de Kök vorbei den Domberg hinauf. Hier bewundern wir die Aleksander Nevski Katedraal und die deutsche Botschaft. Zwischen beiden Gebäuden steht ein Stand, an dem frisch gepresster Saft verkauft wird. Natürlich greifen wir zu. Orange und Granatapfel. Mhhhhm, sooo lecker und erfrischend!

Dann geht’s vorbei am Parlamentsgebäude Estlands und dann… richtig, auf ein kühles Kräuter- und Zimtbier zurück in die Olde Hansa geht. Anschließend schauen wir im mittelalterlichen Laden vorbei. Leider ist der alte Pfefferschnaps nur als halber Liter zu kaufen. Da wir ihn aber wirklich gerne probieren wollen, machen wir eine kleine Probe und probieren Pfeffer-, Kümmel- sowie Beerenschnaps. Natürlich aus alten Tonbechern und mit Trinkritual. Auf einem Bein stehend mit der Hand hinterm Kopf und dem Becher gefasst zwischen Daumen und kleinem Finger, rufen wir „Vivat!“ vor jedem Schluck. Da der Beerenschnaps ein Liebestrank ist, der sofort wirkt, wenn man nach dem Trinken einer Person in die Augen schaut, wendet sich die Angestellte beim Trinken ab. Wir schauen uns an und müssen grinsen.

Immer noch satt und leicht erheitert, entscheiden wir uns gegen ein Abendessen und besuchen nur kurz einen nahegelegenen Supermarkt, um etwas zum Trinken und Naschen zu besorgen. Im Hotelzimmer angelangt schauen wir uns eine Dokumentation über die Hanse und schlafen bereits früh, mit den Gedanken an die wunderschöne Altstadt von Tallinn und die Hanse, ein.

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