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Kota (Tag 52)

„Michi… Miiichiiii…Da ist was.“, flüstert Kyra. „Waaaa…?!“, macht Michi verschlafen und ein Rentier rennt in voller Furcht davon. „Danke, ich dachte, wenn es ein Bär…“, beginnt Kyra. Doch Michi schläft bereits wieder. 7 Uhr. Die Nacht ist vorbei und das Zelt wird abgebaut.

Die Finger sind noch blau von den Blaubären. Michi holt die Essenstasche, welche etwa 70 m entfernt gelagert wurde. Alles ist unversehrt – gut, sehr gut. Vor der Abfahrt genießen wir noch die beiden Mozartkugeln der Österreicher vom Vortag, quasi als Frühstück. Dann geht es in Richtung Inari. Kaum zu glauben, wir haben einen weitgehend blauen Himmel. Dort angekommen geht Kyra erst einmal einkaufen.

Der Euro hat uns wieder und vieles ist merklich günstiger als in Norwegen. Somit können wir guten Gewissens beschließen, dass Obst und Gemüse wieder vermehrt auf dem Speiseplan stehen. Den Anfang machen wir mit Tomaten, Gurke und Paprika sowie Pfirsichen, Bananen und Äpfeln. Dann rollen wir mit Emil und Elias zu Parkbänken in die Sonne. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Biker-Pärchen, einem Foto von zwei Busreisenden sowie einer Kurzversion unserer Tour, verabschieden sich alle und wir beginnen zu kochen. Es gibt Pfannkuchen mit Vanillecreme, Zimt und selbstgepflückten Blaubären. Was soll man sagen? Die Sonne lacht, Michi wendet die Pfannkuchen in der Luft und wir schlemmen mit Blick auf das Wasser. Es ist einfach herrlich.

Doch wir beide wissen, dass noch ein paar Kilometer vor uns liegen, und… „üähhhhhhhhh, was ist das, ich habe die halbe Flasche getrunken!“, sagt Kyra sichtlich von Ekel ergriffen. In der Wasserflasche wächst etwas, dass dort nicht wachsen sollte. Wir prüfen die Flaschen und stellen fest… Fast alle sind betroffen. Die 1,5 L Flaschen werden entsorgt. Der Rest ausgewischt, ausgespült und mit kochendem Wasser und Spülmittel notdürftig gereinigt. Nach der Putzaktion ist es 14 Uhr und quasi das ganze Wasser leer. Die verbliebene 1,5 L Flasche wird aufgeteilt und es geht los. Wir fahren so schnell es geht an zahlreichen Husky-Farmen, Wildnis-Camps und Souvenirläden vorbei.

Dann ist er auch schon da unser Tagesanstieg. „Tschüss, bis oben…“, ruft Kyra Michi hinterher. Berge fahren wir bereits seit längerem im eigenen Tempo. Mal ist man besser drauf und mal schlechter. Hat man seinen Rhythmus gefunden ist alles halb so wild. Fährt man jedoch nicht in seinem Takt, zehrt es an den Kräften, egal ob man schneller oder langsamer unterwegs ist. Natürlich versuchen wir bei größeren Anstiegen uns dennoch nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Dieser ist langgezogen, jedoch nicht sonderlich steil. Maximal 10 % Steigung und das nur auf einem kurzen Stück. Die Vegetation ändert sich je höher sich die Straße schiebt. Auf einmal stehen Schneezäune am Wegesrand und der Blick über eine kahle Ebene schweift bis ins bewaldete Tal. Michi nutzt die kurze Wartezeit, um Elias zu inspizieren. Sattel nachspannen, Kette schmieren, Bremsbeläge prüfen… ohhh ja sie sollten bald erneuert werden. In einer kurzen Not-OP wird die Werkzeugtasche, bzw. deren Reisverschluss gerettet. Dann geht es gemeinsam mit Kyra durch eine Rentierherde hinab in den Wintersportort Saariselkä. Im Sommer sind hier augenscheinlich zahlreiche Wanderer und Mountainbiker unterwegs. Letztere jagen über die Schotterpisten. Emil und Elias erklimmen tapfer über enge und verschlungene Pfade an Wanderern vorbei die Aurora Hütte. Diese liegt oben im Wandergebiet und bietet mit den Holzöfen, den großen Glasfenstern und der Terrasse bestimmt einen super Blick auf die Aurora Borealis – im Winter. Leider ist das Übernachten in den einladenden Aufenthaltsräumen mit Stühlen oder einer geschwungenen Bank, sowie im Zelt auf der Terrasse nicht erlaubt. Etwas enttäuscht ziehen wir von dannen. Sollte hier laut Karte doch ein toller Shelter für die Nacht stehen. Doch Moment… „Die grünen Hütten sind unten eingezeichnet.“, stellt Michi fest. Vorsichtig rutschen wir mit den bepackten Eseln die kleinen Pfade wieder hinab und… da stehen sie.

Vier Hütten sogenannte Kota stehen zur öffentlichen Nutzung zur Verfügung. Wir entscheiden uns für die mittlere und fegen erst einmal alles gründlich aus, da dies leider bitter nötig ist. Dann gibt es Tomaten-Gurken-Salat mit Brot.

Gestärkt schieben wir die Drahtesel mit in die Kota, neben unser Innenzelt, das einen idealen Mückenschutz bietet. Wir schlüpfen in den Schlafsack und genießen des Abend mit einem festen Dach über dem Kopf. Hier kommt der Bär auch nicht rein, oder doch?

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